Laden - und los: Die vollelektrische Pipistrel Velis Electro des Flugsportclubs Neumünster (FSCN) hat auch von Schachtholm bei Rendsburg aus ihren Schulungsbetrieb aufgenommen. Der Typ wird auch von Sylt aus eingesetzt. Und die Föhrer sind "elektrisiert", haben sie nun auch eine Ladestation. Foto: Matthias Allendorf
Der Flugplatz Wyk auf Föhr ist durch die drohende Schließung und das grenzwertige Gebaren von Lokalpolitik und Betreibergesellschaft in die Medien geraten. Aktuell laufen Verhandlungen mit neuen Investoren. Und die haben bereits Fakten geschaffen – in Form eines Stromanschlusses zum Laden von Elektroflugzeugen.
Für die Luftfahrt-Zeitschrift aerokurier habe ich die Lage dort recherchiert – und jetzt wird klar, dass der Elektro-Anschluss dazu beiträgt, den Flugplatz in Wyk fit für die Zukunft zu machen. Flüge mit Elektroflugzeugen nehmen nämlich gerade mächtig Fahrt auf in Schleswig-Holstein. Hier ein Überblick über die lautlose Szene.
Auf dem Flugplatz Wyk (EDXY) auf der Insel Föhr gibt es seit Jahrzehnten einen Sanierungsstau. Der Luftsportclub (LSC) hat der Betriebsgesellschaft, die der Stadt Wyk und der Reederei gehört, wiederholt vorgeworfen, sich nicht um den Erhalt zu kümmern. Seit Herbst 2024 verfolgen Stadt und Reederei zudem den Plan, die Start- und Landebahn 09-27 zu schließen, um dort einen Wohnmobilplatz zu errichten. Dabei ist die Bahn von zentraler Bedeutung für Piloten, weil sie in günstiger Ost-West-Richtung verläuft. Der aerokurier hatte mehrfach über die Entwicklungen auf der Insel berichtet.
Auf einmal katapultiert die jüngste Entwicklung den Platz unerwartet in die Zukunft der Luftfahrt: Wyk hat Anfang Mai eine Ladestation für Elektroflugzeuge und ist damit Teil eines Netzes solcher Ladepunkte für das ganze Land. Kurz vor Pfingsten ist eine weitere Ladestation auf dem Flugplatz Schachtholm (EDXR) bei Rendsburg erprobt worden. Gleich am Tag drauf flog die vollelektrische Pipistrel Velis Electro des Flugsportclubs Neumünster (FSCN) nach Schachtholm und unternahm von dort aus Schulungsflüge. Für den Heimflug hieß es „einmal volltanken“. Die Neumünsteraner hatten ihr Flugzeug bei einem Flugplatzfest im Vorjahr vorgestellt und haben es seitdem in Gebrauch. „Bundesweit gibt es davon nur eine Handvoll Maschinen, vor allem in Süddeutschland", berichtet Matthias Allendorf, Vorsitzender des FSCN. Die Neumünsteraner wollen in Sachen Elektro-Fliegerei Pionierarbeit im Norden leisten.

Die Pipistrel Velis Electro auf Sylt. Foto: Michael Barkhausen
Auch Michael Barkhausen zählt mit seiner Flugschule Green Aviation Sylt zu den Vorreitern der Elektro-Fliegerei im Land. Mit dem selben Flugzeugtyp macht auch er seine Ausbildungsflüge. Er ist überdies Leiter der Flugschule im Norden (FIN) des Luftsportverbandes SH. Das gerade jetzt immer enger werdende Netz der Ladestationen begeistert ihn. Erst dadurch könnten auch Streckenflüge im Rahmen der Ausbildung emissionsfrei trainiert werden.
Peter Harry Carstensen hatte sein Konzept zur Elektrofliegerei in Schachtholm bei Rendsburg öffentlich gemacht. Foto: Birger Bahlo
Dieses Konzept der für die Elektrofliegerei verbundenen Flugplätze hatte im April Peter Harry Carstensen, ehemals Ministerpräsident des Landes, im Rahmen des Sicherheitstages der Flugrettung (DRF) auf dem Verkehrslandeplatz Schachtholm öffentlich gemacht. Auch er hob die Bedeutung von Ladestationen für Streckenflüge hervor und zeigte sich dabei äußerst erfahren in der General Aviation. Er habe mit Betreibern der Flugplätze zwischen St. Peter-Ording im Westen und Kiel im Osten Gespräche geführt, auch die seien von den Plänen begeistert, ihre Plätze fit zu machen für die neue Antriebsart. Er sah im April voraus, dass die E-Flugzeuge womöglich schon in Kürze im Lande hin und her hüpfen können.
Ihn verbinde schon seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft zu Frederik Paulsen, der das international bekannte Museum Kunst der Westküste gegründet hat. Paulsen ist einer der drei Investoren, die den Flugplatz Wyk übernehmen und auf Vordermann bringen wollen. Weiter stehen bereit die Unternehmer Matthias Redlefsen und Dirk Lehmann.
Carstensen hatte in Schachtholm noch jedes Wort zu den Vertragsverhandlungen auf Föhr vermieden. Am Sonnabend, 30. Mai, will er zur Rolle, die der Flugplatz Wyk auf Föhr in Zukunft spielen wird, Neues mitteilen. Paulsen habe ihm schon vor vielen Jahren gesagt, dass er alles tun wolle, um den Flugplatz für die Insulaner und ihre Gäste zu erhalten. Im Mai haben die Investoren erste Nägel eingeschlagen und ihre Ladestation aufgestellt – für Flüge in die elektrische Zukunft.
Birger Bahlo
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